„Wenn mein Buch Mut macht, so würde mich das freuen“
Bestsellerautorin Carmen Rohrbach über ihren neuen Roman „Der Kernbeißer“
Frau Rohrbach, Sie sind eine der bekanntesten Reiseschriftstellerinnen, wie kommt es, dass Sie jetzt einen Roman geschrieben haben? Darin geht es um eine Frau, die mitten im Leben steht, als sie plötzlich von der Diagnose Brustkrebs überrascht wird. Da Sie vor allem bekannt geworden sind, durch ihre Abenteuer- und Reisebücher. Noch einmal: Wieso haben sie jetzt so ein ganz anderes Buch geschrieben?
Meine bisherigen Bücher sind Reise-Erzählungen, also keine tagebuchartigen Berichte und keine Reiseführer. Ich habe auch in diesen Büchern die Erlebnisse literarisch verarbeitet.
Hat dieser Roman autobiografische Züge?
Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben, denn nur so konnte ich meiner Romanfigur nahe kommen. Jedoch, ohne die gleiche Erfahrung wie meine Protagonistin zu machen, hätte ich das Buch nicht schreiben können.
Welche Botschaft hat Ihr Roman?
Ob er eine Botschaft hat, möchte ich dem Leser überlassen. Aber ja, vielleicht gibt mein Buch den Menschen, die ebenfalls, wie Steffi eine lebensbedrohliche Krankheit haben, den Rat, sich nicht aufzugeben. Wenn mein Roman Mut macht, so würde mich das freuen.
Wie leicht oder schwer ist es Ihnen gefallen den Roman zu schreiben? Und ihn zu veröffentlichen?
Den Text zu verfassen ist mir leicht gefallen. Während meiner eigenen Erkrankung hat mir das Schreiben geholfen, zu reflektieren und die Situation besser zu verstehen. Für mich war es eine Art Therapie. Dass daraus ein Buch wird, war lange nicht der Plan. Ich konnte mir zunächst nicht vorstellen, dass sich Leser für dieses Thema interessieren würden. Als ich Mitglied einer Autorengruppe wurde, sollte jeder einen Text aus der Schublade mitbringen. Ich las einige Seiten meiner Krankheits-Protokolle und war wirklich sehr überrascht, als man mir zuredete, daraus ein Buch zu machen. Das motivierte mich, den Text zu überarbeiten und Steffi als mein Alter Ego einzuführen.
Was ist der Unterschied zwischen Ihren Reiseerzählungen und diesem persönlichen Buch?
Der Unterschied ergibt sich durch das Thema. In meinen Reisebüchern spielen die Begegnungen mit Menschen in den einzelnen Ländern eine große Rolle. Menschen, wie im Jemen oder in der Mongolei, die ein ganz anderes Leben haben, als wir in Deutschland. In diesen Büchern sind sie die Hauptpersonen und ich, die Reisende, nur die Verbindung zwischen ihnen und dem Leser. Die erste Erfahrung soviel von mir selbst preiszugeben hatte ich bereits mit meinem Buch „Solange ich atme“ gemacht, in dem es um mein Leben und meine Flucht aus der DDR geht.
Warum heißt das Buch „Der Kernbeißer“? Ist damit der Vogel gemeint?
Ja, als Symbol verkörpert er Kraft und Willenstärke, er steht für Freiheit und Überlebenswillen. Ich habe diesen Vogel gewählt, weil er unter den Finkenvögeln durch seine Körpergröße heraussticht, sich gegen Angriffe zur Wehr setzt und mit seinem kräftigen Schnabel selbst Kirschkerne knackt. Die Romanheldin findet einen toten Kernbeißer, genau an dem Tag, da sie von ihrer Krebserkrankung erfährt, und auch am Ende begegnet ihr dieser Vogel wieder.